Was ist SPSS?
SPSS ist eine Statistiksoftware zur Aufbereitung, Analyse und Auswertung quantitativer Daten. Die Abkürzung stand ursprünglich für „Statistical Package for the Social Sciences“. Heute wird die Software unter dem Namen IBM SPSS Statistics vertrieben und in zahlreichen wissenschaftlichen und praktischen Anwendungsfeldern eingesetzt.
SPSS wird unter anderem in Sozialwissenschaften, Psychologie, Medizin, Gesundheitswissenschaften, Marktforschung, Wirtschaft und empirischer Forschung verwendet. Die Software eignet sich sowohl für grundlegende statistische Auswertungen als auch für umfangreichere Analyseprojekte.
Typische Aufgaben, die mit SPSS durchgeführt werden können, sind beispielsweise:
- Daten importieren, bereinigen und aufbereiten,
- deskriptive Statistiken und Häufigkeiten berechnen,
- Gruppenunterschiede mit statistischen Tests untersuchen,
- Zusammenhänge zwischen Variablen analysieren,
- Regressionsmodelle berechnen,
- Varianzanalysen und Messwiederholungsdesigns auswerten,
- Skalen und Fragebögen statistisch prüfen,
- Ergebnisse in Tabellen und Grafiken darstellen.
Ein wesentliches Merkmal von SPSS ist die Kombination aus grafischer Benutzeroberfläche und eigener Syntaxsprache. Viele Analysen können vollständig über Menüs durchgeführt werden. Gleichzeitig lassen sich dieselben Arbeitsschritte über Syntaxbefehle definieren, speichern und reproduzierbar erneut ausführen.
Dadurch eignet sich SPSS sowohl für Personen, die bevorzugt menügesteuert arbeiten, als auch für Anwenderinnen und Anwender, die komplexere oder wiederkehrende Analyseabläufe systematisch dokumentieren und automatisieren möchten.
SPSS übernimmt dabei jedoch nicht die methodische Entscheidung. Auch wenn statistische Verfahren technisch schnell ausgewählt werden können, muss weiterhin geprüft werden, welche Analyse zur Forschungsfrage, zum Studiendesign und zur Struktur der erhobenen Daten passt.
Warum wird SPSS so häufig verwendet?
SPSS gehört seit vielen Jahren zu den etablierten Programmen für statistische Datenanalysen. Besonders verbreitet ist die Software in Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen sowie medizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten. Ein wichtiger Grund dafür ist die Kombination aus umfangreichen statistischen Funktionen und einer grafischen Benutzeroberfläche.
Statistische Analysen ohne Programmierkenntnisse
Viele statistische Verfahren können in SPSS vollständig über Menüs und Dialogfenster durchgeführt werden. Variablen werden ausgewählt, Analyseoptionen festgelegt und die Ergebnisse anschließend automatisch in einer separaten Ausgabe dargestellt.
Dadurch können auch Anwenderinnen und Anwender ohne umfangreiche Programmierkenntnisse statistische Analysen durchführen. Gleichzeitig bleibt jedoch methodisches Wissen erforderlich, um geeignete Verfahren auszuwählen und die Ergebnisse korrekt zu interpretieren.
Großer statistischer Funktionsumfang
SPSS stellt zahlreiche Verfahren für unterschiedliche Forschungsfragen bereit. Neben deskriptiver Statistik und klassischen Hypothesentests können unter anderem Regressionsmodelle, Varianzanalysen, Faktorenanalysen, Reliabilitätsanalysen und verschiedene multivariate Verfahren durchgeführt werden.
Je nach eingesetzter Version und verfügbaren Modulen stehen darüber hinaus weitere spezialisierte Analyseverfahren zur Verfügung.
Umfangreiche Möglichkeiten zur Datenaufbereitung
Ein wichtiger Bestandteil statistischer Projekte ist die Vorbereitung der Daten. SPSS bietet zahlreiche Funktionen, um Variablen zu rekodieren, transformieren, berechnen, filtern und zusammenzuführen. Auch der Import von Daten aus verschiedenen Dateiformaten ist möglich.
Damit können viele Arbeitsschritte von der ursprünglichen Datendatei bis zum analysierbaren Datensatz innerhalb derselben Software durchgeführt werden.
Grafische Oberfläche und SPSS-Syntax
SPSS ermöglicht sowohl menügesteuertes als auch syntaxbasiertes Arbeiten. Besonders praktisch ist, dass viele über Dialogfenster konfigurierte Befehle als SPSS-Syntax ausgegeben werden können.
Dadurch lassen sich zunächst Analysen über die grafische Oberfläche zusammenstellen und anschließend als Syntax speichern. Wiederkehrende Auswertungen können auf diese Weise dokumentiert, angepasst und erneut ausgeführt werden.
Etablierung in Forschung und Lehre
SPSS wird seit Jahrzehnten in der empirischen Forschung und statistischen Ausbildung eingesetzt. Dadurch existieren umfangreiche Lehrmaterialien, Fachliteratur und institutionelle Erfahrungen mit der Software. An vielen Hochschulen wird SPSS deshalb weiterhin in Statistikkursen, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekten verwendet.
Übersichtliche Ergebnisausgabe
Die Ergebnisse statistischer Analysen werden im SPSS Output Viewer in Form von Tabellen, Kennwerten und Grafiken dargestellt. Dadurch können auch umfangreichere Analysen strukturiert dokumentiert und einzelne Ergebnisse gezielt weiterverarbeitet werden.
Die weite Verbreitung von SPSS beruht somit nicht auf einem einzelnen Vorteil. Vielmehr verbindet die Software Datenmanagement, statistische Analyse, grafische Bedienung und syntaxbasierte Reproduzierbarkeit innerhalb einer gemeinsamen Arbeitsumgebung.
Die Benutzeroberfläche von SPSS
Die Benutzeroberfläche von SPSS ist darauf ausgerichtet, Datenverwaltung und statistische Analyse innerhalb einer gemeinsamen Arbeitsumgebung zu ermöglichen. Eine zentrale Rolle spielt der Dateneditor, in dem sowohl die eigentlichen Daten als auch die Eigenschaften der verwendeten Variablen verwaltet werden können.
Datenansicht
In der Datenansicht werden die erhobenen Daten tabellarisch dargestellt. In der Regel entspricht jede Zeile einem Fall beziehungsweise einer Beobachtung, während die Spalten die einzelnen Variablen repräsentieren.
Die Darstellung ähnelt damit auf den ersten Blick einer Tabellenkalkulation. SPSS speichert jedoch zusätzlich zahlreiche statistisch relevante Informationen über die einzelnen Variablen, die über die Variablenansicht definiert werden können.
Variablenansicht
In der Variablenansicht werden die Eigenschaften der Variablen festgelegt. Dazu gehören beispielsweise Variablenname, Datentyp, Beschriftung, Wertelabels, fehlende Werte und Messniveau.
Bei kategorialen Variablen können beispielsweise numerische Werte mit aussagekräftigen Kategorien verbunden werden. So kann etwa der Wert 1 für eine bestimmte Gruppe und der Wert 2 für eine andere Gruppe stehen, während SPSS in Tabellen die entsprechenden Beschriftungen ausgibt.
Messniveau der Variablen
SPSS unterscheidet bei der Definition von Variablen unter anderem zwischen nominalem, ordinalem und metrischem Messniveau. Die korrekte Einordnung ist hilfreich für die Datenorganisation und beeinflusst teilweise, welche Variablen SPSS innerhalb bestimmter Dialogfelder für eine Analyse anbietet.
Das in SPSS eingestellte Messniveau ersetzt allerdings nicht die methodische Beurteilung. Ob eine Variable mit einem bestimmten statistischen Verfahren analysiert werden kann, muss anhand der Forschungsfrage und der tatsächlichen Eigenschaften der Daten entschieden werden.
Statistische Analysen über Menüs
Viele statistische Verfahren können über das Menü „Analysieren“ aufgerufen werden. Dort stehen verschiedene Analysebereiche zur Verfügung, beispielsweise für deskriptive Statistiken, Mittelwertvergleiche, Regressionen oder multivariate Verfahren.
Nach Auswahl eines Verfahrens öffnet sich ein Dialogfenster, in dem Variablen den entsprechenden Rollen zugeordnet und zusätzliche Optionen festgelegt werden können. Je nach Analyse lassen sich beispielsweise Konfidenzintervalle, Effektgrößen, Modellstatistiken oder diagnostische Kennwerte anfordern.
Der SPSS Output Viewer
Die Ergebnisse einer Analyse werden nicht direkt im Datensatz angezeigt, sondern in einem separaten Output Viewer. Dort werden Tabellen, statistische Kennwerte, Tests und Grafiken in der Reihenfolge der durchgeführten Analysen gespeichert.
Der Output kann dadurch auch bei umfangreicheren Auswertungen strukturiert betrachtet werden. Einzelne Ergebnisse lassen sich auswählen, bearbeiten, exportieren oder für die spätere Dokumentation der Analyse verwenden.
Syntax Editor
Neben Dateneditor und Output Viewer verfügt SPSS über einen eigenen Syntax Editor. Dort können SPSS-Befehle geschrieben, gespeichert und gezielt ausgeführt werden. Viele über die grafische Oberfläche erstellte Analysen können über die Schaltfläche „Einfügen“ zunächst als Syntax erzeugt werden.
Dies ermöglicht einen schrittweisen Übergang vom menügesteuerten Arbeiten zu einem reproduzierbaren syntaxbasierten Analyseworkflow. Gerade bei umfangreicheren Forschungsprojekten kann dies helfen, Datenaufbereitung und statistische Analysen nachvollziehbar zu dokumentieren.
Die Benutzeroberfläche von SPSS ermöglicht damit einen vergleichsweise einfachen Einstieg, bietet gleichzeitig aber Werkzeuge für komplexere Arbeitsabläufe. Entscheidend bleibt auch hier, dass die technische Durchführung einer Analyse und ihre methodische Begründung zwei unterschiedliche Aufgaben sind.
Welche statistischen Verfahren bietet SPSS?
SPSS bietet eine große Auswahl an Verfahren für die deskriptive, inferenzstatistische und multivariate Datenanalyse. Der genaue Funktionsumfang hängt teilweise von der verwendeten Version und den verfügbaren Erweiterungen ab. Viele klassische statistische Methoden, die in wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsprojekten eingesetzt werden, gehören jedoch zum etablierten Funktionsumfang von SPSS.
Deskriptive Statistik
Mit SPSS können Datensätze zunächst mithilfe deskriptiver Kennwerte beschrieben werden. Dazu gehören beispielsweise Mittelwert, Median, Standardabweichung, Varianz, Minimum, Maximum, Quartile und Häufigkeiten.
Zusätzlich können Verteilungen grafisch untersucht und Gruppen getrennt voneinander beschrieben werden. Eine sorgfältige deskriptive Analyse ist häufig der erste Schritt, um Datenqualität, Verteilungen und mögliche Auffälligkeiten zu beurteilen.
t-Tests
SPSS ermöglicht verschiedene Varianten des t-Tests. Dazu gehören der t-Test für unabhängige Stichproben, der t-Test für verbundene Stichproben sowie der Einstichproben-t-Test.
Damit können beispielsweise Mittelwerte zweier unabhängiger Gruppen verglichen oder Veränderungen derselben Personen zwischen zwei Messzeitpunkten untersucht werden. Neben dem p-Wert sollten bei der Interpretation auch Effektgrößen und Konfidenzintervalle berücksichtigt werden.
Varianzanalysen
Für den Vergleich mehrerer Gruppen oder experimenteller Bedingungen stehen verschiedene Formen der Varianzanalyse (ANOVA) zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem einfaktorielle und mehrfaktorielle Modelle sowie Varianzanalysen mit Messwiederholung.
Je nach Untersuchungsdesign können zusätzlich Interaktionen, Kontraste und Post-hoc-Vergleiche analysiert werden. Auch Kovariaten lassen sich in entsprechenden Modellen berücksichtigen.
Nichtparametrische Tests
SPSS stellt verschiedene nichtparametrische Verfahren zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise der Mann-Whitney-U-Test, der Wilcoxon-Test, der Kruskal-Wallis-Test und der Friedman-Test.
Diese Verfahren können je nach Forschungsfrage und Datenstruktur eine Alternative zu parametrischen Tests darstellen. Die Entscheidung sollte jedoch nicht ausschließlich anhand eines Tests auf Normalverteilung getroffen werden, sondern das gesamte Studiendesign und die Eigenschaften der Daten berücksichtigen.
Korrelationen
Zusammenhänge zwischen Variablen können unter anderem mithilfe der Pearson-Korrelation
Bei der Interpretation ist insbesondere die Stärke und Richtung des Zusammenhangs relevant. Ein statistischer Zusammenhang allein erlaubt keine Aussage darüber, ob eine Variable die andere kausal beeinflusst.
Regressionsanalysen
SPSS bietet verschiedene Verfahren der Regressionsanalyse. Mit der linearen Regression können Zusammenhänge zwischen einer kontinuierlichen Zielvariable und einem oder mehreren Prädiktoren modelliert werden.
Für dichotome Zielvariablen kann die logistische Regression eingesetzt werden. Darüber hinaus stehen – abhängig von Analyse und Softwareumfang – weitere Regressionsmodelle zur Verfügung. Neben den Regressionskoeffizienten können verschiedene Kennwerte zur Modellgüte und Modelldiagnostik betrachtet werden.
Kreuztabellen und Chi-Quadrat-Tests
Für kategoriale Variablen können mit SPSS Kreuztabellen und Chi-Quadrat-Tests erstellt werden. Damit lässt sich beispielsweise untersuchen, ob zwischen zwei kategorialen Merkmalen ein statistischer Zusammenhang besteht.
Zusätzlich können Prozentwerte, erwartete Häufigkeiten und verschiedene Zusammenhangsmaße ausgegeben werden. Bei kleinen erwarteten Häufigkeiten können je nach Fragestellung alternative beziehungsweise exakte Verfahren erforderlich sein.
Reliabilitätsanalysen
SPSS wird häufig für die Analyse von Fragebögen und Skalen eingesetzt. Mit Reliabilitätsanalysen kann beispielsweise Cronbachs Alpha zur Beurteilung der internen Konsistenz einer Skala berechnet werden.
Zusätzlich können Itemstatistiken und Item-Gesamt-Korrelationen betrachtet werden. Die Reliabilität sollte dabei nicht allein anhand eines einzelnen Grenzwertes beurteilt werden, sondern im Kontext der Konstruktion und Verwendung der jeweiligen Skala.
Faktorenanalyse
Mit Verfahren der Faktorenanalyse können Strukturen hinter einer größeren Anzahl miteinander zusammenhängender Variablen untersucht werden. Dies spielt beispielsweise bei der Entwicklung und Überprüfung von Fragebögen oder bei der Reduktion umfangreicher Merkmalssets eine Rolle.
Dabei müssen unter anderem die Auswahl des Extraktionsverfahrens, die Anzahl der Faktoren und eine geeignete Rotation methodisch begründet werden.
Weiterführende statistische Verfahren
Über klassische Standardanalysen hinaus können mit SPSS beziehungsweise entsprechenden Erweiterungen weitere Verfahren eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Mixed Models, Überlebenszeitanalysen, generalisierte Modelle und komplexere multivariate Verfahren.
Damit kann SPSS auch für anspruchsvollere Forschungsdesigns eingesetzt werden. Bei sehr speziellen Modellen oder hochgradig individualisierten Analyseabläufen können jedoch programmierbare Umgebungen wie R oder andere spezialisierte Statistikprogramme größere Flexibilität bieten.
Der große Funktionsumfang von SPSS macht die Software für viele Forschungsfragen geeignet. Entscheidend ist jedoch nicht, welche Verfahren das Programm technisch anbietet, sondern welches statistische Modell zur Forschungsfrage, zum Studiendesign und zur Struktur der Daten passt.
SPSS-Syntax: Warum ist sie sinnvoll?
Statistische Analysen können in SPSS nicht nur über die grafische Benutzeroberfläche, sondern auch mithilfe der SPSS-Syntax durchgeführt werden. Dabei werden Datenaufbereitung, Berechnungen und statistische Analysen in Form von Befehlen festgehalten und anschließend von SPSS ausgeführt.
Für einfache Auswertungen ist die Verwendung von Syntax nicht zwingend erforderlich. Bei umfangreicheren wissenschaftlichen Projekten bietet sie jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die einzelnen Analyseschritte werden nachvollziehbar und reproduzierbar dokumentiert.
Analysen reproduzierbar durchführen
Wer ausschließlich über Menüs arbeitet, muss sich später möglicherweise daran erinnern, welche Optionen, Filter oder Einstellungen bei einer Analyse ausgewählt wurden. In einer Syntaxdatei sind diese Entscheidungen dagegen unmittelbar dokumentiert.
Eine einmal erstellte Analyse kann dadurch erneut ausgeführt werden – beispielsweise nachdem der Datensatz korrigiert, ergänzt oder aktualisiert wurde. Statt sämtliche Analysen manuell zu wiederholen, können die entsprechenden Syntaxbefehle erneut ausgeführt werden.
Datenaufbereitung dokumentieren
Besonders hilfreich ist Syntax bei der Datenaufbereitung. Das Berechnen neuer Variablen, Rekodieren von Kategorien, Definieren fehlender Werte, Filtern bestimmter Fälle oder Zusammenführen verschiedener Variablen kann vollständig dokumentiert werden.
Damit bleibt nachvollziehbar, wie aus den ursprünglichen Rohdaten der Datensatz entstanden ist, der letztlich für die statistische Analyse verwendet wurde. Gerade bei Forschungsprojekten mit mehreren Verarbeitungsschritten ist dies ein wichtiger Bestandteil eines transparenten Analyseprozesses.
Wiederkehrende Analysen automatisieren
Syntax ist außerdem hilfreich, wenn dieselben Auswertungen mehrfach durchgeführt werden müssen. Statt einzelne Dialogfenster immer wieder neu zu konfigurieren, können bestehende Befehle kopiert und gezielt angepasst werden.
Das kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn dieselben Analysen für mehrere Gruppen, Messzeitpunkte, Variablen oder aktualisierte Datensätze durchgeführt werden sollen.
Syntax direkt aus den SPSS-Menüs erzeugen
Für die Arbeit mit SPSS-Syntax sind nicht von Beginn an umfassende Syntaxkenntnisse erforderlich. Viele Dialogfenster bieten die Möglichkeit, die konfigurierte Analyse über die Schaltfläche „Einfügen“ als Syntaxbefehl in den Syntax Editor zu übertragen.
Dadurch kann eine Analyse zunächst über die grafische Benutzeroberfläche zusammengestellt und anschließend als Syntax gespeichert werden. Dies erleichtert insbesondere den Einstieg in das syntaxbasierte Arbeiten.
Fehler leichter erkennen und korrigieren
Eine dokumentierte Syntax kann auch bei der Fehlersuche hilfreich sein. Werden unerwartete Ergebnisse erzeugt, lässt sich systematisch überprüfen, welche Transformationen, Filter, Gewichtungen oder Analyseoptionen zuvor angewendet wurden.
Änderungen können anschließend gezielt vorgenommen werden, ohne den gesamten Analyseprozess erneut über die grafische Oberfläche rekonstruieren zu müssen.
Syntax ersetzt keine statistische Methodik
Die Verwendung von Syntax macht eine statistische Analyse allerdings nicht automatisch methodisch besser. Auch ein technisch korrekt ausgeführter SPSS-Befehl kann zu einer ungeeigneten Analyse führen, wenn beispielsweise das falsche statistische Verfahren gewählt oder Voraussetzungen des Modells nicht berücksichtigt wurden.
SPSS-Syntax ist deshalb vor allem ein Werkzeug für Transparenz, Reproduzierbarkeit und effiziente Analyseabläufe. Die Entscheidung darüber, welche statistische Methode sinnvoll ist und wie deren Ergebnisse interpretiert werden sollten, bleibt eine methodische Aufgabe.
SPSS vs. R: Wo liegen die Unterschiede?
SPSS und R gehören zu den bekanntesten Werkzeugen für statistische Datenanalysen, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Arbeitsweise. Während SPSS eine kommerzielle Statistiksoftware mit grafischer Benutzeroberfläche und eigener Syntaxsprache ist, handelt es sich bei R um eine freie Programmiersprache und Softwareumgebung für Statistik, Datenanalyse und Datenvisualisierung.
Welche Lösung besser geeignet ist, hängt deshalb weniger davon ab, welches Programm grundsätzlich „besser“ ist, sondern von Forschungsfrage, Analyseumfang, vorhandenen Kenntnissen und den Anforderungen des jeweiligen Projekts.
Grafische Benutzeroberfläche oder Programmierung
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Bedienung. SPSS ermöglicht die Durchführung zahlreicher statistischer Analysen über Menüs und Dialogfenster. Dadurch können viele Standardverfahren auch ohne Programmierkenntnisse umgesetzt werden.
R basiert dagegen hauptsächlich auf der Arbeit mit Code. Analysen, Datenaufbereitung und Grafiken werden mithilfe von Befehlen und Funktionen definiert. Grafische Entwicklungsumgebungen wie RStudio erleichtern die Arbeit, ändern jedoch nichts daran, dass R grundsätzlich stärker programmierorientiert ist.
Flexibilität und statistischer Funktionsumfang
SPSS bietet einen umfangreichen Funktionsumfang für viele klassische statistische Verfahren. Für zahlreiche Anwendungen in Sozialwissenschaften, Psychologie, Medizin und empirischer Forschung sind die benötigten Methoden direkt verfügbar.
R ist jedoch wesentlich stärker erweiterbar. Über eine große Anzahl zusätzlicher Pakete können auch hochspezialisierte oder neu entwickelte statistische Methoden eingesetzt werden. Gerade bei komplexeren Modellen, individuellen Analyseabläufen oder speziellen Forschungsfragen bietet R deshalb häufig mehr Flexibilität.
Datenaufbereitung und komplexe Workflows
Beide Programme ermöglichen eine umfangreiche Aufbereitung von Daten. In SPSS können Variablen beispielsweise rekodiert, berechnet, gefiltert oder zusammengeführt werden. Viele dieser Arbeitsschritte lassen sich sowohl über Menüs als auch über Syntax durchführen.
R bietet insbesondere bei komplexeren oder stark automatisierten Workflows zusätzliche Möglichkeiten. Daten können programmgesteuert importiert, transformiert, analysiert und anschließend direkt in Tabellen, Grafiken oder Berichte überführt werden.
Reproduzierbarkeit
Reproduzierbare statistische Analysen sind mit beiden Programmen möglich. In R ist das Arbeiten mit Code von Beginn an ein zentraler Bestandteil des Analyseprozesses. Dadurch werden die einzelnen Verarbeitungsschritte unmittelbar dokumentiert.
Auch SPSS kann jedoch sehr gut reproduzierbar eingesetzt werden, wenn Analysen und Datenaufbereitung konsequent über SPSS-Syntax dokumentiert werden. Ein ausschließlich menügesteuerter Workflow ist dagegen schwieriger vollständig nachzuvollziehen.
Grafiken und Datenvisualisierung
SPSS enthält verschiedene Funktionen zur Erstellung statistischer Grafiken und ermöglicht beispielsweise Histogramme, Boxplots, Streudiagramme und weitere Standardvisualisierungen.
R bietet bei der Datenvisualisierung deutlich größere Gestaltungsmöglichkeiten. Insbesondere Erweiterungen wie ggplot2 erlauben die Erstellung komplexer und individuell anpassbarer wissenschaftlicher Grafiken. Dafür ist allerdings eine entsprechende Einarbeitung in die verwendeten Befehle erforderlich.
Kosten und Lizenzierung
Ein weiterer Unterschied betrifft die Kosten. R ist kostenlos und Open Source. SPSS ist dagegen kommerzielle Software und erfordert grundsätzlich eine entsprechende Lizenz. Hochschulen und Forschungseinrichtungen stellen ihren Angehörigen allerdings häufig institutionelle SPSS-Lizenzen zur Verfügung.
Wann eignet sich SPSS und wann R?
SPSS eignet sich besonders, wenn klassische statistische Verfahren benötigt werden und eine grafische Benutzeroberfläche gewünscht ist. Auch für standardisierte Auswertungen, Lehrveranstaltungen und viele wissenschaftliche Abschlussarbeiten kann SPSS eine praktische Lösung darstellen.
R bietet Vorteile, wenn komplexe oder spezialisierte Analysen, umfangreiche Datenaufbereitung, automatisierte Workflows oder individuell gestaltete Visualisierungen erforderlich sind. Auch für vollständig codebasierte und reproduzierbare Forschungsprozesse bietet R umfangreiche Möglichkeiten.
In der Praxis müssen sich beide Programme nicht gegenseitig ausschließen. Je nach Projekt können SPSS und R auch ergänzend eingesetzt werden. Entscheidend ist letztlich nicht die verwendete Software, sondern ob Datenaufbereitung, statistische Methode und Interpretation zur jeweiligen Forschungsfrage passen.
SPSS vs. jamovi und JASP: Was sind die Unterschiede?
Neben SPSS werden insbesondere jamovi und JASP zunehmend für statistische Analysen in Studium, Lehre und Forschung eingesetzt. Alle drei Programme verfügen über grafische Benutzeroberflächen und ermöglichen zahlreiche statistische Auswertungen ohne umfangreiche Programmierkenntnisse. Dennoch unterscheiden sie sich hinsichtlich Lizenzierung, Funktionsumfang und Arbeitsweise.
Kostenlose Alternativen zu SPSS
Ein wesentlicher Unterschied betrifft die Lizenzierung. SPSS ist eine kommerzielle Statistiksoftware, während jamovi und JASP kostenlos verfügbar sind. Gerade für Studierende oder Forschende ohne institutionelle SPSS-Lizenz können beide Programme deshalb interessante Alternativen darstellen.
Die kostenlose Verfügbarkeit bedeutet allerdings nicht, dass jamovi oder JASP lediglich vereinfachte Statistikprogramme sind. Beide Anwendungen bieten inzwischen zahlreiche Verfahren, die für typische wissenschaftliche Auswertungen benötigt werden.
Unterschiede bei der Benutzeroberfläche
SPSS besitzt eine klassische Benutzeroberfläche mit separater Datenansicht, Variablenansicht und Ergebnisausgabe. Viele Analysen werden über Dialogfenster konfiguriert und anschließend im Output Viewer ausgegeben.
jamovi und JASP verfolgen einen etwas moderneren Ansatz. Änderungen an einer Analyse werden häufig unmittelbar in der Ergebnisausgabe sichtbar. Dadurch lassen sich Analyseoptionen vergleichsweise schnell ausprobieren und deren Auswirkungen direkt betrachten.
SPSS und jamovi
jamovi verbindet eine grafische Benutzeroberfläche mit einer technischen Grundlage im R-Ökosystem. Viele klassische Verfahren wie t-Tests, Varianzanalysen, Korrelationen, Regressionen und nichtparametrische Tests können direkt über die Benutzeroberfläche durchgeführt werden.
Zusätzlich lässt sich der Funktionsumfang von jamovi über Module erweitern. Dadurch stehen beispielsweise weitere Verfahren für Regression, Faktorenanalyse, Mediation und Moderation oder komplexere statistische Modelle zur Verfügung.
SPSS bietet dagegen insbesondere beim klassischen Datenmanagement, bei etablierten institutionellen Workflows und beim syntaxbasierten Arbeiten eine über viele Jahre entwickelte Arbeitsumgebung.
SPSS und JASP
JASP ist ebenfalls eine kostenlose Statistiksoftware mit grafischer Benutzeroberfläche. Neben klassischen frequentistischen Verfahren legt JASP einen besonderen Schwerpunkt auf die Bayes-Statistik. Für zahlreiche Analysen können sowohl klassische Signifikanztests als auch Bayes-Faktoren und weitere bayesianische Kennwerte berechnet werden.
Damit ist JASP insbesondere für Anwenderinnen und Anwender interessant, die frequentistische und bayesianische Analyseansätze innerhalb einer gemeinsamen Benutzeroberfläche verwenden möchten.
Syntax und Reproduzierbarkeit
Ein charakteristisches Merkmal von SPSS ist die eigene SPSS-Syntax. Datenaufbereitung und statistische Analysen können dadurch vollständig als Befehlsfolge gespeichert und erneut ausgeführt werden.
jamovi und JASP verfolgen teilweise andere Konzepte für reproduzierbare Analysen. Analysen, Einstellungen und Ergebnisse werden innerhalb der jeweiligen Projektdateien gespeichert. Insbesondere jamovi bietet darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten, die Verbindung zu R zu nutzen.
Welches Statistikprogramm ist das richtige?
Für klassische statistische Analysen können grundsätzlich alle drei Programme geeignet sein. Welche Software sinnvoll ist, hängt unter anderem von den benötigten Verfahren, vorhandenen Lizenzen, persönlichen Vorkenntnissen und den Anforderungen des jeweiligen Forschungsprojekts ab.
SPSS bietet eine etablierte Umgebung für Datenmanagement, statistische Analyse und syntaxbasierte Workflows. jamovi kombiniert eine moderne grafische Oberfläche mit einem modular erweiterbaren Ansatz und einer Verbindung zu R. JASP bietet ebenfalls eine leicht zugängliche Oberfläche und zeichnet sich insbesondere durch die Integration frequentistischer und bayesianischer Verfahren aus.
Die Wahl der Statistiksoftware sollte deshalb nicht allein davon abhängen, welches Programm am einfachsten zu bedienen ist. Wesentlich wichtiger ist, dass das benötigte statistische Verfahren korrekt umgesetzt und die Ergebnisse fachlich angemessen interpretiert werden.
Für welche Anwendungsbereiche eignet sich SPSS?
SPSS wird in zahlreichen wissenschaftlichen und praktischen Bereichen eingesetzt, in denen quantitative Daten erhoben, aufbereitet und statistisch ausgewertet werden. Besonders geeignet ist die Software für strukturierte Datensätze, bei denen Personen, Fälle oder andere Untersuchungseinheiten anhand verschiedener Merkmale beschrieben und miteinander verglichen werden.
Studium und wissenschaftliche Abschlussarbeiten
Viele Studierende arbeiten erstmals im Rahmen einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit intensiver mit SPSS. Typische Aufgaben sind die Auswertung von Fragebogendaten, der Vergleich verschiedener Gruppen oder die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen mehreren Variablen.
Je nach Forschungsfrage können dabei beispielsweise deskriptive Statistiken, t-Tests, Varianzanalysen, Korrelationen oder Regressionsmodelle eingesetzt werden. SPSS ermöglicht es, diese Verfahren über eine grafische Benutzeroberfläche durchzuführen und die Ergebnisse anschließend systematisch auszuwerten.
Psychologie und Sozialwissenschaften
In der Psychologie und den Sozialwissenschaften wird SPSS häufig für die Analyse von Befragungen, Experimenten und Beobachtungsdaten eingesetzt. Neben Gruppenvergleichen und Zusammenhangsanalysen spielen hier auch die Entwicklung und Überprüfung psychologischer beziehungsweise sozialwissenschaftlicher Skalen eine wichtige Rolle.
Reliabilitätsanalysen, Faktorenanalysen und verschiedene Regressionsverfahren gehören deshalb zu den häufig verwendeten Methoden in diesen Fachgebieten.
Medizin und Gesundheitswissenschaften
Auch in der medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Forschung kann SPSS für zahlreiche statistische Fragestellungen eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise der Vergleich von Behandlungsgruppen, die Untersuchung von Risikofaktoren oder die Analyse diagnostischer und klinischer Daten.
Neben klassischen Hypothesentests und Regressionsmodellen können abhängig von der Fragestellung beispielsweise auch logistische Regressionen oder Überlebenszeitanalysen relevant sein. Bei medizinischen Studien sind darüber hinaus Studiendesign, Endpunkte, Stichprobengröße und der Umgang mit fehlenden Daten wichtige Bestandteile der statistischen Planung.
Promotion und wissenschaftliche Forschungsprojekte
SPSS wird nicht nur für Abschlussarbeiten, sondern auch im Rahmen von Dissertationen und umfangreicheren Forschungsprojekten verwendet. Mit zunehmender Komplexität der Forschungsfrage steigen allerdings auch die Anforderungen an Datenaufbereitung, Modellierung und statistische Interpretation.
Bei wiederholten Messungen, hierarchisch strukturierten Daten oder mehreren gleichzeitig zu berücksichtigenden Einflussfaktoren können beispielsweise komplexere Regressionsmodelle oder Mixed Models erforderlich werden.
Markt- und Unternehmensforschung
Außerhalb der klassischen Hochschulforschung wird SPSS unter anderem in der Marktforschung und Unternehmensforschung eingesetzt. Kundenbefragungen, Mitarbeiterbefragungen, Produktbewertungen oder andere standardisierte Erhebungen können mit SPSS aufbereitet und statistisch untersucht werden.
Dabei können beispielsweise Unterschiede zwischen Zielgruppen analysiert, Einflussfaktoren identifiziert oder größere Mengen an Befragungsdaten strukturiert ausgewertet werden.
Evaluation und empirische Forschungsprojekte
SPSS eignet sich außerdem für Evaluationen, bei denen untersucht werden soll, ob sich bestimmte Kennwerte nach einer Maßnahme verändert haben oder ob sich verschiedene Gruppen beziehungsweise Bedingungen voneinander unterscheiden.
Typische Beispiele sind Vorher-Nachher-Untersuchungen, Interventionsstudien und wiederholte Befragungen. Welches statistische Verfahren geeignet ist, hängt dabei wesentlich davon ab, ob dieselben Untersuchungseinheiten mehrfach gemessen werden, unabhängige Gruppen vorliegen oder weitere Einflussgrößen berücksichtigt werden sollen.
SPSS kann damit in sehr unterschiedlichen Fachgebieten eingesetzt werden. Seine Stärke liegt insbesondere bei klassischen statistischen Analysen strukturierter quantitativer Daten. Ob SPSS für ein konkretes Projekt die geeignete Software ist, hängt jedoch nicht nur vom Fachgebiet, sondern vor allem von der Forschungsfrage, der Datenstruktur und den benötigten statistischen Verfahren ab.
Grenzen und Nachteile von SPSS
SPSS bietet einen umfangreichen Funktionsumfang und eignet sich für zahlreiche statistische Fragestellungen. Dennoch hat die Software auch Grenzen. Diese betreffen insbesondere Lizenzkosten, Flexibilität, Automatisierung und sehr spezialisierte Analyseverfahren. Ob diese Einschränkungen in der Praxis relevant sind, hängt stark vom jeweiligen Projekt ab.
Kostenpflichtige Lizenz
Im Gegensatz zu frei verfügbaren Statistikprogrammen wie R, jamovi oder JASP ist SPSS eine kommerzielle Software. Für die Nutzung wird grundsätzlich eine entsprechende Lizenz benötigt.
Viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen stellen ihren Angehörigen SPSS-Lizenzen zur Verfügung. Außerhalb solcher institutionellen Zugänge können die Lizenzkosten jedoch ein wichtiger Faktor bei der Wahl der Statistiksoftware sein.
Begrenzte Flexibilität bei sehr speziellen Analysen
Für viele etablierte statistische Verfahren bietet SPSS umfangreiche Funktionen. Bei sehr speziellen Forschungsfragen oder neueren statistischen Methoden kann der verfügbare Funktionsumfang jedoch begrenzter sein als in frei erweiterbaren Umgebungen wie R.
In R können zusätzliche Pakete für eine große Anzahl spezialisierter Analyseverfahren installiert werden. Dadurch lassen sich häufig auch Methoden einsetzen, die in SPSS nicht oder nur über zusätzliche Erweiterungen verfügbar sind.
Komplexe Automatisierung
Mit SPSS-Syntax lassen sich viele wiederkehrende Arbeitsschritte automatisieren. Bei sehr umfangreichen oder stark individualisierten Analysepipelines können jedoch Programmiersprachen wie R oder Python flexiblere Möglichkeiten bieten.
Dies betrifft beispielsweise Projekte, bei denen Daten regelmäßig aus verschiedenen Quellen importiert, automatisiert aufbereitet, mit mehreren Modellen analysiert und anschließend direkt in individuell erzeugte Berichte oder Visualisierungen überführt werden sollen.
Datenvisualisierung
SPSS bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Erstellung klassischer statistischer Grafiken. Für individuell gestaltete oder besonders komplexe Visualisierungen sind die Möglichkeiten jedoch teilweise weniger flexibel als in spezialisierten Visualisierungsumgebungen.
Insbesondere R bietet mit entsprechenden Erweiterungen umfangreiche Möglichkeiten, wissenschaftliche Grafiken detailliert an bestimmte Anforderungen anzupassen. Für viele Standardvisualisierungen reichen die Funktionen von SPSS dagegen vollkommen aus.
Menügesteuertes Arbeiten kann die Nachvollziehbarkeit erschweren
Die grafische Benutzeroberfläche gehört zu den großen Vorteilen von SPSS, kann bei umfangreicheren Projekten jedoch auch zu einem Nachteil werden. Werden zahlreiche Analysen ausschließlich über Dialogfenster durchgeführt, ist später nicht immer unmittelbar nachvollziehbar, welche Einstellungen, Filter oder Optionen verwendet wurden.
Dieses Problem lässt sich weitgehend vermeiden, wenn wichtige Schritte konsequent über SPSS-Syntax dokumentiert werden. Dadurch können Datenaufbereitung und statistische Analysen reproduzierbar gespeichert werden.
Die einfache Bedienung kann zu methodischen Fehlern verleiten
Statistische Verfahren lassen sich in SPSS häufig mit wenigen Schritten auswählen und ausführen. Diese einfache technische Bedienung bedeutet jedoch nicht, dass die Auswahl des richtigen Verfahrens ebenfalls einfach ist.
So können beispielsweise ein ungeeignetes statistisches Modell, nicht berücksichtigte Abhängigkeiten zwischen Beobachtungen, falsch behandelte fehlende Werte oder eine unpassende Interpretation von p-Werten zu problematischen Schlussfolgerungen führen – obwohl SPSS die Analyse technisch ohne Fehlermeldung ausgeführt hat.
Wann sind andere Statistikprogramme sinnvoll?
Für viele klassische Forschungsfragen ist SPSS eine leistungsfähige und geeignete Lösung. Andere Programme können jedoch Vorteile bieten, wenn sehr spezialisierte statistische Modelle, umfangreiche Automatisierung, komplexe Datenstrukturen oder individuell programmierte Analyseprozesse erforderlich sind.
Die Wahl der Software sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Anforderungen das jeweilige Forschungsprojekt stellt. In manchen Fällen ist SPSS die praktischste Lösung, während in anderen Projekten R, Python, Stata oder spezialisierte Statistiksoftware besser geeignet sein können.
Die wichtigste Grenze liegt letztlich nicht in der Software selbst: Kein Statistikprogramm kann die methodische Beurteilung einer Forschungsfrage ersetzen. Eine korrekt ausgeführte Berechnung ist nur dann sinnvoll, wenn auch das zugrunde liegende statistische Vorgehen angemessen gewählt wurde.
Wann ist professionelle Unterstützung bei einer SPSS-Auswertung sinnvoll?
SPSS erleichtert die technische Durchführung statistischer Analysen, beantwortet jedoch nicht automatisch die entscheidende methodische Frage: Welches statistische Verfahren ist für die konkrete Forschungsfrage und die vorliegenden Daten geeignet? Gerade bei wissenschaftlichen Arbeiten und umfangreicheren Forschungsprojekten kann deshalb professionelle statistische Unterstützung sinnvoll sein.
Auswahl des richtigen statistischen Verfahrens
Die Wahl einer geeigneten Methode hängt unter anderem von der Forschungsfrage, dem Studiendesign, dem Messniveau der Variablen, der Anzahl der Gruppen oder Messzeitpunkte und möglichen Abhängigkeiten innerhalb der Daten ab.
Ob beispielsweise ein t-Test, eine Varianzanalyse, ein nichtparametrischer Test, eine Regressionsanalyse oder ein komplexeres Modell geeignet ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand der verfügbaren SPSS-Menüs entscheiden.
Planung der statistischen Auswertung
Idealerweise wird die statistische Analyse bereits vor der eigentlichen Datenauswertung geplant. Dabei können Hypothesen, Zielvariablen, Einflussgrößen, statistische Verfahren und notwendige Modellprüfungen systematisch festgelegt werden.
Bei empirischen Studien können außerdem Fragen zur Stichprobengröße, zum Umgang mit fehlenden Werten oder zur Struktur des Untersuchungsdesigns relevant sein. Eine frühzeitige statistische Planung kann verhindern, dass methodische Probleme erst nach Abschluss der Datenerhebung sichtbar werden.
Datenaufbereitung und Plausibilitätsprüfung
Vor der eigentlichen Analyse müssen Daten häufig kontrolliert und aufbereitet werden. Dazu können beispielsweise die Prüfung von Wertebereichen, die Definition fehlender Werte, das Rekodieren von Variablen oder die Berechnung neuer Kennwerte gehören.
Gerade bei umfangreicheren Datensätzen ist es sinnvoll, diese Schritte systematisch und nachvollziehbar zu dokumentieren. In SPSS kann dafür insbesondere die Arbeit mit Syntax hilfreich sein.
Komplexere Studiendesigns und statistische Modelle
Professionelle Unterstützung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn die Datenstruktur über einfache Gruppenvergleiche hinausgeht. Dazu gehören beispielsweise Messwiederholungen, mehrere Einflussfaktoren, Interaktionen, hierarchische Datenstrukturen oder komplexere Regressionsmodelle.
In solchen Situationen muss nicht nur entschieden werden, welches Modell geeignet ist. Auch Modellannahmen, Kodierung der Variablen, Referenzkategorien und die Interpretation der geschätzten Effekte spielen eine wichtige Rolle.
Interpretation der SPSS-Ergebnisse
SPSS erzeugt bei vielen Analysen umfangreiche Ergebnistabellen. Nicht jeder ausgegebene Kennwert ist jedoch für die jeweilige Forschungsfrage relevant. Gleichzeitig sollte sich die Interpretation nicht ausschließlich auf die Frage konzentrieren, ob ein p-Wert kleiner als 0,05 ist.
Je nach Analyse sind beispielsweise Effektgrößen, Konfidenzintervalle, Regressionskoeffizienten, Modellgüte und praktische beziehungsweise inhaltliche Relevanz zu berücksichtigen.
Ergebnisse wissenschaftlich berichten
Nach der statistischen Analyse müssen die Ergebnisse nachvollziehbar dargestellt werden. Dazu gehört eine Beschreibung der verwendeten Methoden ebenso wie eine übersichtliche Präsentation der zentralen Ergebnisse in Text, Tabellen und gegebenenfalls Grafiken.
Insbesondere bei Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Dissertationen und wissenschaftlichen Publikationen sollte deutlich werden, warum ein bestimmtes Verfahren eingesetzt wurde und wie die statistischen Ergebnisse die Forschungsfrage beantworten.
Statistische Beratung für SPSS-Auswertungen
Mehr als Durchschnitt unterstützt Studierende, Promovierende, Forschende und Unternehmen bei der Planung, Durchführung und Interpretation statistischer Analysen mit SPSS. Dabei steht nicht allein die Bedienung der Software im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche statistische Vorgehensweise für die jeweilige Forschungsfrage methodisch sinnvoll ist.
Die Unterstützung kann von der Auswahl geeigneter Verfahren und der Datenaufbereitung über die eigentliche statistische Analyse bis zur Interpretation und verständlichen Aufbereitung der Ergebnisse reichen.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Statistikberatung.
Häufige Fragen zu SPSS
Was ist SPSS einfach erklärt?
SPSS ist eine Software zur Aufbereitung und statistischen Analyse von Daten. Mit ihr können beispielsweise Häufigkeiten berechnet, Gruppen verglichen, Zusammenhänge untersucht und Regressionsmodelle erstellt werden. Viele Analysen lassen sich über eine grafische Benutzeroberfläche durchführen, zusätzlich steht eine eigene Syntaxsprache zur Verfügung.
Wofür steht die Abkürzung SPSS?
SPSS stand ursprünglich für „Statistical Package for the Social Sciences“. Die Software wurde zunächst insbesondere für statistische Anwendungen in den Sozialwissenschaften entwickelt. Heute wird IBM SPSS Statistics jedoch in zahlreichen Fachgebieten eingesetzt.
Was kann man mit SPSS auswerten?
Mit SPSS können zahlreiche quantitative Daten analysiert werden. Typische Verfahren sind deskriptive Statistiken, t-Tests, Varianzanalysen, nichtparametrische Tests, Korrelationen, Regressionsanalysen, Chi-Quadrat-Tests, Reliabilitätsanalysen und Faktorenanalysen. Darüber hinaus stehen weitere statistische Verfahren zur Verfügung.
Ist SPSS kostenlos?
Nein. SPSS ist grundsätzlich eine kommerzielle Statistiksoftware und erfordert eine entsprechende Lizenz. Viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen verfügen jedoch über institutionelle Lizenzen, über die Studierende oder Mitarbeitende SPSS nutzen können. Kostenlose Alternativen sind beispielsweise R, jamovi und JASP.
Braucht man für SPSS Programmierkenntnisse?
Für viele Analysen sind keine Programmierkenntnisse erforderlich, da SPSS über eine umfangreiche grafische Benutzeroberfläche verfügt. Für größere Projekte ist die Verwendung der SPSS-Syntax jedoch sinnvoll, da sich damit Datenaufbereitung und statistische Analysen dokumentieren, reproduzieren und teilweise automatisieren lassen.
Ist SPSS schwer zu lernen?
Die grundlegende Bedienung von SPSS ist vergleichsweise schnell erlernbar. Die größere Herausforderung besteht häufig nicht in der Software selbst, sondern in der Auswahl und korrekten Anwendung statistischer Verfahren. Wer einen Test technisch durchführen kann, muss deshalb noch beurteilen können, ob dieser zur Forschungsfrage und zur Datenstruktur passt.
Ist SPSS für Bachelorarbeiten und Masterarbeiten geeignet?
Ja. SPSS wird häufig für Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Dissertationen eingesetzt. Insbesondere für quantitative Studien mit Befragungs-, experimentellen oder klinischen Daten bietet die Software zahlreiche geeignete Analyseverfahren.
Was ist besser: SPSS oder R?
Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. SPSS bietet eine grafische Benutzeroberfläche und eignet sich gut für viele klassische statistische Analysen. R ist kostenlos, programmierbar und sehr flexibel erweiterbar. Für komplexe, automatisierte oder stark individualisierte Analyseprozesse bietet R häufig mehr Möglichkeiten, während SPSS insbesondere für standardisierte statistische Workflows einen komfortablen Einstieg ermöglicht.
Was ist der Unterschied zwischen SPSS und jamovi?
Beide Programme ermöglichen zahlreiche statistische Analysen über eine grafische Benutzeroberfläche. SPSS ist kommerzielle Software und verfügt über eine eigene Syntaxsprache sowie umfangreiche Funktionen zur Datenverwaltung. jamovi ist kostenlos, basiert auf R und kann über zusätzliche Module erweitert werden.
Kann SPSS auch komplexe statistische Analysen durchführen?
Ja. Neben klassischen statistischen Tests können mit SPSS beziehungsweise entsprechenden Erweiterungen auch komplexere Regressionsmodelle, Mixed Models, Überlebenszeitanalysen und weitere multivariate Verfahren durchgeführt werden. Bei sehr spezialisierten Methoden können andere Statistikprogramme wie R jedoch flexibler sein.
Wie interpretiert man Ergebnisse aus SPSS?
Welche Kennwerte interpretiert werden müssen, hängt vom verwendeten statistischen Verfahren ab. Neben p-Werten können beispielsweise Effektgrößen, Konfidenzintervalle, Regressionskoeffizienten und Kennwerte zur Modellgüte relevant sein. Die Interpretation sollte immer auf die konkrete Forschungsfrage bezogen werden.
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